Fragen und Antworten zum Thema Diagnostik

Wann soll mit Abklärungen begonnen werden, wenn es nicht "klappt"?

Grundsätzlich gilt: Wenn es nach einem Jahr mit regelmäßigem, mehrmals wöchentlichem Geschlechtsverkehr nicht zu einer Schwangerschaft gekommen ist, sollte eine Abklärung stattfinden. Bei Frauen über 35 Jahren empfehlen wir, bereits nach einem halben Jahr weitere Abklärungen vorzunehmen und gegebenenfalls eine Behandlung einzuleiten. Bei ausgeprägten Zyklusstörungen oder Ausbleiben der Periode ist es sinnvoll, spätestens bei Beginn des Kinderwunsches weiter abzuklären. Symptome, wie Menstruationsschmerzen sind ebenfalls ein Grund für eine vorzeitige Abklärung, unter Umständen schon vor beginnender Familienplanung.

Wichtig: Eine Abklärung kann vorgenommen werden, ohne dass anschließend eine Therapie erfolgen muss.

Woran kann die Frau ihre fruchtbaren Tage im Zyklus erkennen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den fruchtbaren Tagen auf die Spur zu kommen: Am einfachsten ist es, den Zeitpunkt des Eisprungs (Ovulation) zu errechnen. Die Länge der ersten Zyklushälfte kann erheblich variieren, dagegen ist die zweite Zyklushälfte mit einer Dauer von 14 Tagen recht konstant. Bei regelmäßigen Periodenblutungen errechnet man den vermutlichen Tag des Eisprungs, indem man von der gesamten Zykluslänge 14 Tage abzieht. Auch das Führen einer Temperaturkurve gibt im Nachhinein Aufschluss darüber, wann der Eisprung im jeweiligen Zyklus stattgefunden hat. Die morgendliche Temperatur steigt nämlich nach der Ovulation um 0,4 bis 0,5 Grad Celsius an, so dass die zwei bis drei fruchtbarsten Tage diejenigen vor dem Temperaturanstieg sind.

Da der Gebärmutterhalsschleim (Cervixschleim) sich unter dem Einfluss der Sexualhormone verändert, gibt dessen Beschaffenheit Rückschlüsse auf den Zyklus. Zum Zeitpunkt des Eisprungs nimmt die Menge an Sekret zu; es wird glasig, dünnflüssig und "spinnbar". Nach der Ovulation wird der Cervixschleim wieder deutlich weniger und ist dickflüssig und weißlich. Manche Frauen bemerken den Eisprung auch daran, dass in der Mitte des Zyklus Schmerzen im Unterleib auftreten. Diese nennt man auch "Mittelschmerz", der allerdings nicht sehr spezifisch ist.

Den Eisprung kann man auch durch den Nachweis des luteinisierenden Hormons (LH) im Urin der Frau festgestellen. Dazu benötigt man Teststreifen, die in Apotheken erhältlich sind und - ähnlich wie beim Schwangerschaftstest - durch eine Verfärbung den LH-Anstieg anzeigen. Da das Hormon erst kurz vor dem Eisprung vom Körper ausgeschüttet wird, kann man davon ausgehen, dass der Eisprung zirka 24 bis 30 Stunden später erfolgt.

Zeigt keine der angegebenen Möglichkeiten einen Eisprung an oder kommt es trotz positiven Ovulationstests nicht zu einer Schwangerschaft, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Was ist eine Gebärmutterspiegelung und wann sollte sie durchgeführt werden?

Unter einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) versteht man die direkte optische Betrachtung des Gebärmutterhalskanals und der Gebärmutterhöhle. Dazu wird eine dünne Optik durch den Gebärmutterhals in die Höhle der Gebärmutter eingeführt. Durch gleichzeitiges Einbringen von entweder Kohlendioxid oder bestimmter Spülflüssigkeit werden die Wände der Gebärmutterhöhle dann entfaltet und der Arzt kann sich über die Anatomie des Innenraums und die Beschaffenheit der Gebärmutterschleimhaut ein Bild machen. Auch die Form und Position der Eileiteröffnungen können beurteilt werden.

Sollten sich auffällige Befunde ergeben, können gleichzeitig zum Beispiel Gewebeproben entnommen oder bestimmte Veränderungen (zum Beispiel Polypen) entfernt werden. Manchmal sind dazu auch so genannte Zweiteingriffe notwendig, insbesondere wenn die diagnostische Hysteroskopie nicht in Narkose durchgeführt wurde.

Die Hysteroskopie gehört nicht zur Routinediagnostik der ungewollten Kinderlosigkeit, gibt aber die Sicherheit, dass die Einnistungsbedingungen innerhalb der Gebärmutter normal sind. Gibt es zusätzliche Hinweise auf anatomische Veränderungen der Gebärmutter wie Myome, Verwachsungen oder angeborene Fehlbildungen, kann die Gebärmutterspiegelung sinnvoll sein. Häufig wird die Methode auch zur Abklärung von aufeinander folgenden Fehlgeburten eingesetzt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dieser Untersuchung.

Welche allgemeinen Maßnahmen und Untersuchungen können sinnvoll sein, wenn eine Schwangerschaft angestrebt wird?

Welche allgemeinen Maßnahmen und Untersuchungen können sinnvoll sein, wenn eine Schwangerschaft angestrebt wird  Wenn ein Paar eine Schwangerschaft anstrebt, sollten schon vor einer Befruchtung alle schädigenden Einflüsse vermieden werden. Dazu zählen zum Beispiel der Genuss von Nikotin, Alkohol und anderen Drogen. Die Einnahme von Medikamenten, die sich unter Umständen negativ auf eine eintretende Schwangerschaft auswirken könnten, sollte unterlassen werden. Auch Stress kann die natürliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Darüber hinaus kann sich eine gesunde Ernährung und gesunde Lebensführung positiv auf das Eintreten einer Schwangerschaft auswirken. Die Einnahme von 0,8 mg Folsäure pro Tag soll dazu führen, dass seltener Kinder mit Neuralrohrdefekten (offener Rücken) geboren werden. Darüber hinaus ist es sinnvoll, bei der Frau den Rötelntiter zu bestimmen, da Rötelninfektionen in der Schwangerschaft zu schweren Fehlbildungen des Kindes führen können. Falls kein Schutz vor Röteln besteht, sollte vor dem gezielten Anstreben einer Schwangerschaft eine Impfung erfolgen.

Vor Maßnahmen einer künstlichen Befruchtung werden in der Regel bei beiden Partnern Infektionskrankheiten wie Hepatitis und Aids durch Blutuntersuchungen ausgeschlossen.

Wieso ist es sinnvoll, vor Beginn einer Kinderwunschbehandlung den Rötelntiter zu überprüfen?

Bei der Infektionskrankheit Röteln handelt es sich um eine harmlose Viruserkrankung, die vor allem bei Kindern auftritt. Wenn allerdings eine Schwangere in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft an Röteln erkrankt, ist das Ungeborene in hohem Maße durch die Infektion gefährdet. Im ungünstigsten Fall kann das so genannte Gregg-Syndrom auftreten, wobei Herz-, Augen- und Innenohr-Fehlbildungen beim Kind entstehen können. Daher ist es besonders wichtig, sich möglichst vor dem Eintreten einer Schwangerschaft davon zu überzeugen, dass ein Schutz gegen die Rötelninfektion besteht. Wenn jemand eine Rötelninfektion durchgemacht hat oder gegen Röteln geimpft wurde, kann man im Blut Antikörper gegen Röteln nachweisen. Sind bei einer Frau mit Kinderwunsch keine Antikörper gegen Röteln nachweisbar, ist eine Impfung dringend zu empfehlen. Zum Zeitpunkt der Impfung und bis zu drei Monate danach darf keine Schwangerschaft eintreten.

Gibt es eine psychisch bedingte Kinderlosigkeit, z.B. im Sinne einer "psychischen Blockade", die das Schwangerwerden verhindern kann?

Wir wissen, dass in über 80% der Fälle organische Veränderungen ursächlich sind. Es gibt bis heute keine wissenschaftlichen Belege, die einen Einfluss der Psyche auf das "Nicht- Schwangerwerden" nachweisen konnten. Umgekehrt entstehen viele ungewollte Schwangerschaften in wenig entspannten Situationen. Ein Zusammenspiel zwischen Körper und Psyche ist, wie in allen Lebensbereichen, auch für den Bereich Unfruchtbarkeit nicht auszuschließen. Entscheidend ist, dass sich Paare nicht durch permanente Selbstzweifel unter Druck setzen. Hilfreich kann eine begleitende Akupunkturbehandlung oder eine psychologische Beratung sein, die wir gerne anbieten.

Beeinträchtigt Rauchen und Übergewicht den Erfolg einer Kinderwunschbehandlung?

Eindeutig ja! Übergewicht sollte reduziert werden, Rauchen sollte aufgegeben werden. Wie sicher ist die Prüfung der Eileiterdurchgängigkeit mittels der Hysterosalpingokontrastsonosgraphie (HyCoSy, Echovistdarstellung(r))? Prinzipiell lässt sich die Durchgängigkeit der Eileiter sowohl im Rahmen einer Bauchspiegelung als auch durch die Hysterosalpingokontrastsonographie (HyCoSy, Echovistdarstellung(r)) überprüfen. Im Vergleich zur Bauchspiegelung, die einen kleinen operativen Eingriff darstellt und eine Vollnarkose erfordert, ist die HyCoSy ohne Betäubung durchführbar. Durch Spritzen von ultraschallsichtbarem Kontrastmittel in die Höhle der Gebärmutter kann anschließend die Verteilung des Kontrastmittels durch die Eileiter mittels Ultraschall durch die Scheide beobachtet werden. Es wurde in verschiedenen Arbeiten untersucht, ob die Durchgängigkeit der Eileiter mittels der HyCoSy ausreichend sicher beurteilt werden kann. Dabei zeigte sich, dass sowohl die Diagnose "Eileiter durchgängig" als auch "Eileiterverschluss am gebärmutterfernen Ende" mit zufriedenstellender Sicherheit durch die HyCoSy bestätigt werden konnte. Lediglich bei durch HyCoSy gestelltem Verdacht auf "Eileiterverschluss dicht an der Gebärmutter" sollte dieser Befund möglichst durch eine Bauchspiegelung überprüft werden, da es offensichtlich zum Beispiel durch Eileiterspasmen in diesen Fällen häufiger zu Fehldiagnosen kommen kann.

Was versteht man unter dem Begriff "Spermienantikörper"?

Spermienantikörpern wurde früher eine große Bedeutung beigemessen. Man kann sie - falls vorhanden - in allen Körperflüssigkeiten (Blut, Muttermundschleim, etc.) nachweisen. Bis vor etwa 15 Jahren hat man daher routinemäßig Spermienantikörper im Blut und Muttermundschleim von Frauen mit ungewollter Kinderlosigkeit gemessen. Bei positivem Befund hat man dann eine Kortisonbehandlung eingeleitet. Man weiß allerdings inzwischen, dass eine solche Behandlung nichts bringt. Daher ist die Bestimmung von Spermienantikörpern im Blut heute nicht mehr Standard. In einigen wenigen Fällen kann man bei hoher Spermienantikörperkonzentration im Muttermundschleim feststellen, dass die Spermien nach dem Verkehr den Muttermund nicht gut passieren können. Sie werden durch die Antikörper "gelähmt". In solchen Fällen kann zum Beispiel eine Insemination weiterhelfen. Man muss aber auch hierzu sagen, dass der Nachweis dieser Antikörper im Muttermundschleim recht ungenau ist und dass man davon ausgehen kann, dass diese Antikörper nur in wenigen Fällen wirklich den Hauptgrund für die Unfruchtbarkeit darstellen, sondern vielmehr andere zusätzliche Gründe vorliegen. Heute erfolgt normalerweise keine Bestimmung der Spermienantikörper mehr, da aus dem Ergebnis der Untersuchung so gut wie nie therapeutische Konsequenzen gezogen werden können.

Was ist bei der Spermienanalyse zu beachten?

Für eine möglichst korrekte Analyse der Spermien müssen verschiedene Vorrausetzungen beachtet werden. Vor Abgabe der Spermienprobe in unserer Kinderwunsch-Praxis sollte mindestens zwei Tage Karenz, d.h. für zwei Tage keine Ejakulation, erfolgt sein. Die Probengewinnung erfolgt in unserer Praxis um eine verzögerte Analyse oder ein schädliches Abkühlen der Spermien zu verhindern. Die Gewinnung der Spermienprobe erfolgt durch Masturbation.

Grundsätzlich unterliegt die Qualität der Spermien natürlichen Schwankungen. Üblicherweise sollten daher mindestens zwei Analysen der Spermien erfolgen.

Es sollte ein Zeitabstand von mindestens 2 Wochen zwischen beiden Spermienanalysen eingehalten werden.

Kann man etwas tun, um die "Spermienqualität" zu verbessern?

Um die Spermienqualität zu verbessern, sind schon sehr viele verschiedene Medikamente (Vitamine, Zink, Selen, Hormone, Antihormone usw.) angewandt worden. Leider konnte bisher - außer bei den seltenen hormonellen Störungen der Spermienproduktion - kein Therapieeffekt nachgewiesen werden. Grundsätzlich sind eine gesunde Ernährung und wenig Stress ratsam, aber auch hier ist kein direkter Zusammenhang bewiesen. Einziger klarer und beeinflussbarer Faktor ist das Rauchen, welches die Spermien schädigt. Wenn ein Mann mit Rauchen aufhört, verbessert sich die Spermienqualität oft schon nach 3-6 Monaten.

Was kann man tun, wenn es im Samenerguss keine Spermien gibt?

Je nach Ursache dieser sogenannten "Azoospermie", lassen sich in ca. 50% der Fälle in einer Gewebeprobe der Hoden Spermien finden (= sogenannte TESE), die dann für eine ICSI- Behandlung eingesetzt werden können. Eine Gewebeprobeentnahme führt unser urologischer Kooperationspartner Dr. Peter Engel in Preetz durch.

Welche Rolle spielen Ultraschalluntersuchungen in Diagnostik und Therapie?

Therapie der Sterilität unverzichtbar geworden. Bei der transvaginalen Ultraschalluntersuchung wird die Ultraschallsonde in die Scheide der Patientin eingeführt. Durch die Nähe der Ultraschallsonde zur Gebärmutter und zu den Eierstöcken, erhält man hiermit detaillierte Befunde. Die Untersuchung ist schmerzfrei und gefahrlos und kann daher wiederholt zum Einsatz kommen.

Welche Möglichkeiten gibt es herauszufinden, wann und ob ein Eisprung stattfindet?

Einige Frauen spüren den Eisprung durch den so genannten Mittelschmerz oder andere Körperzeichen. Der Mittelschmerz ist ein nur kurz anhaltender Unterleibsschmerz, der zum Zeitpunkt des Eisprungs auftreten kann. Manchmal tritt in diesem Zusammenhang auch eine leichte Blutung auf. Zu den sonstigen Körperzeichen gehört vor allem die Veränderung des Gebärmutterhalsschleims, der kurz vor dem Eisprung klar und durchsichtig wird und sich zu Fäden spinnen lässt. Auch die Beschaffenheit des Muttermundes ändert sich: Die Frau kann, indem sie sich selbst durch die Scheide untersucht, den Gebärmutterhals ertasten und die Veränderung der Konsistenz spüren. Etwas präziser kann eine Basaltemperaturkurve darüber Auskunft geben, ob und wann ein Eisprung stattgefunden hat - vorausgesetzt, die Temperaturkurve wurde korrekt geführt. Dazu muss jeden Morgen zur gleichen Zeit vor dem Aufstehen die Temperatur im Enddarm oder im Mund mit demselben Thermometer gemessen werden. Hat ein Eisprung stattgefunden, steigt die Temperatur um zirka 0,4 Grad Celsius an. Auch Urin- oder Blutuntersuchungen können den Eisprung nachweisen. Das den Eisprung auslösende Hormon LH kann unmittelbar zum Zeitpunkt des Eisprungs im Urin mittels eines Teststäbchens nachgewiesen werden. Der Nachweis im Blut erfolgt im Labor. Darüber hinaus können das Wachstum des Eibläschens (Follikel) sowie der Eisprung vom Arzt im Ultraschall verfolgt werden. Während das Eibläschen kurz vor dem Eisprung bis zu zwei Zentimeter groß ist, kann es nach dem Eisprung im Ultraschall nicht mehr nachgewiesen werden.

Diagnose Eileiterverschluss - was tun?

Für den Fall, dass die Eileiterdurchlässigkeit beeinträchtigt ist, gibt es zwei Behandlungsansätze: Zum einen kann versucht werden, die Eileiterdurchgängigkeit durch eine mikrochirurgische Operation wieder herzustellen. Zum anderen kann durch Anwendung der unterstützten Befruchtung außerhalb des Körpers auch bei verschlossenen Eileitern eine Schwangerschaft erzielt werden. Welche der beiden Behandlungsmethoden zum Einsatz kommen soll, wird gemeinsam vom behandelnden Arzt und dem betroffenen Paar entschieden. Dabei spielen das Alter der Patientin, das Ausmaß der Eileiterschädigung und eventuelle andere Faktoren der ungewollten Kinderlosigkeit eine Rolle. Dazu zwei exemplarische Beispiele:

  • Handelt es sich um eine 25-jährige Patientin, bei der die Eileiter lediglich von Verwachsungen befreit werden müssen und bei der keine weiteren Sterilitätsursachen zum Tragen kommen, würde zunächst der Versuch einer operativen Sanierung der Eileiter gemacht werden. Da 80 Prozent der Schwangerschaften nach derartigen Eingriffen innerhalb der ersten neun Monate eintreten, würde man nach dem operativen Eingriff also den spontanen Verlauf abwarten. Die Patientin müsste allerdings eine etwas erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Eileiterschwangerschaft in Kauf nehmen.
  • Handelt es sich demgegenüber um eine 40-jährige Patientin mit komplexer Schädigung der Eileiter, bei der zusätzlich auch der Partner eine Einschränkung der Fertilität aufweist, würde man dem Paar eher eine Befruchtung außerhalb des Körpers empfehlen. 

In jedem Fall wird dem betroffenen Paar die Behandlungsmethode mit den individuell größten Erfolgsaussichten angeboten.

Was ist eine Endometriose und inwiefern hat diese Erkrankung mit dem unerfüllten Kinderwunsch zu tun?

Von Endometriose spricht man, wenn sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle an anderen Stellen des Körpers ansiedelt - vor allem im Unterleib. Häufig kommen solche Endometrioseherde zum Beispiel am Eierstock oder Eileiter, am Bauchfell, an Harnblase oder Darm vor. Typisch für eine Endometriose ist, dass die betroffene Patientin starke Schmerzen kurz oder während der ersten Tage der Menstruation empfindet. Die Schmerzen entstehen dadurch, dass Endometrioseherde genau wie die Gebärmutterschleimhaut hormonell stimuliert werden, das abgestoßene Gewebe aber nicht durch die Scheide ausgeschieden werden kann. Endometriose kann durch das Auftreten von Verwachsungen, dazu führen, dass sich der Kinderwunsch nicht erfüllt. Sollte Verdacht auf Endometriose bestehen, muss zur Abklärung eine Bauchspiegelung durchgeführt werden. Wenn sich hierbei eine Endometriose diagnostizieren lässt, kann in günstigen Fällen unter Umständen gleich eine Behandlung erfolgen, indem die Endometrioseherde elektrisch oder per Laser verödet werden. In anderen Fällen kann eine Operation mit Bauchschnitt, eine hormonelle Therapie oder eine Kombination aus beiden erforderlich sein, um gute Voraussetzungen zur Erfüllung des Kinderwunsches zu schaffen.

Gibt es eine Allergie oder Immunität zwischen Partnern?

Eine Allergie oder eine Immunität zwischen Partnern ist ein häufig nachgefragtes Thema in der Kinderwunschbehandlung. Zahlreiche Studien haben untersucht, ob ein unerfüllter Kinderwunsch an einer "Inkompatibilität" zwischen Frau und Mann liegen kann. Nach aktuellem Forschungsstand gibt es hierfür keinen Hinweis. Unerfüllter Kinderwunsch wird also nicht durch eine "Inkompatibilität" zwischen Frau und Mann verursacht1.

Folglich führen wir in unserem Zentrum auch keine Behandlungen durch, bei denen versucht wird über eine Beeinflussung des Immunsystems einen Schwangerschaftseintritt zu erreichen.

1Quelle: M.K. Bohlmann: Immunologische Aspekte in der Reproduktionsmedizin. In: G. Griesinger, M. Ludwig, K. Dietrich (Hrsg.): Reproduktionsmedizin. Heidelberg, New York: Springer 2013; 516 - 524).

Was bedeutet die Diagnose "vorzeitige Wechseljahre"?

Von "vorzeitigen Wechseljahren" (oder Climacterium praecox) spricht man, wenn bei einer Frau schon vor dem 35. Lebensjahr die Periodenblutungen ausbleiben. Durch diese vorzeitige Eierstockschwäche, reifen keine befruchtungsfähigen Eizellen mehr heran. Führt man eine Hormonuntersuchung im Blut durch, finden sich meist ein niedriger Östrogenspiegel und erhöhte Spiegel der von der Hirnanhangsdrüse ausgeschütteten Gonadotropine LH und FSH. Das frühzeitige Ausbleiben der Eierstocksfunktion kann verschiedene Ursachen haben: Autoimmunerkrankungen, zurückliegende Bestrahlungen und Chemotherapien oder das so genannte "Syndrom der gonadotropinresistenten Ovarien", bei dem die Hormone der Hirnanhangsdrüse ansprechen. Häufig finden sich allerdings für das Climacterium praecox keine eindeutigen Ursachen. Eine familiäre Veranlagung scheint möglich zu sein.

Befindet sich eine Frau frühzeitig in den Wechseljahren, sind die Aussichten gering, noch einmal schwanger zu werden. In seltenen Fällen treten Schwangerschaften unter einer Hormonersatzbehandlung ein, wie sie typischerweise durchgeführt wird, um Folgen des Östrogenmangels (insbesondere Osteoporose) zu vermeiden. Gelegentlich kann auch eine Stimulationstherapie nochmal zum Heranreifen einer Eizelle führen. Aussichtsreicher ist das Eintreten einer Schwangerschaft nach einer Eizellspende, wobei diese Art der Behandlung allerdings in Deutschland verboten ist.

Und was ist, wenn gar keine Ursache gefunden werden kann?

Überraschenderweise ist dies für das Paar meist die schwierigste "Diagnose", weil die Suche nach subjektiven Sterilitätsursachen hier Blüten treiben kann: Sind es innere Blockaden aus der Kindheit oder ist die Paarbeziehung als solche "unfruchtbar"  Die rein psychogene Fertilitätsstörung ist jedoch selten. Weniger als fünf Prozent aller Kinderwunschpaare sind davon betroffen.

Ein Denken in drei Richtungen ist hier von Vorteil:

  • Häufig ist es der Alters- und nicht der psychologische Faktor.
  • Es gibt heute viele, mit den Routinemethoden (noch) nicht diagnostizierbare  Ursachen.
  • Die Befruchtungsfrage lässt sich definitiv erst bei der ersten IVF im Labor klären.

Die Fortpflanzungsmedizin kennt diese Diagnose und hat ihr den Namen "idiopathische Sterilität" gegeben. Hier können je nach Konstellation einfache Methoden oder auch die Methode der unterstützten Befruchtung im Labor hilfreich sein. Die Prognose ist in der Regel sehr gut.