Fragen & Antworten zu allgemeinen Themen

Ungewollte Kinderlosigkeit - ein zunehmendes Problem?

Die Zahl ungewollt kinderloser Paare hat stetig zugenommen: Weltweit sind heute zirka 60 bis 80 Millionen Paare betroffen. In den westlichen Industrienationen bleibt schätzungsweise jede siebte Ehe ungewollt kinderlos. Eine Vielzahl von Faktoren kann sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken: Neben medizinischen Faktoren haben auch soziale Aspekte Einfluss. Da der Kinderwunsch bei Frauen immer häufiger in ein höheres Lebensalter verschoben wird (das Alter Erstgebärender nimmt durchschnittlich zu), kann ein Teil der Zunahme der Fertilitätsproblematik mit der altersabhängig nachlassenden natürlichen Fruchtbarkeit erklärt werden.  Die stetige Abnahme der Spermafunktion wird weiterhin kontrovers diskutiert. Möglich scheint, dass Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten die durchschnittliche Spermafunktion ungünstig beeinflusst haben. Dies bleibt allerdings umstritten. Sicher ist dagegen, dass die verbesserte Informationslage der Betroffenen und die enorme Entwicklung der therapeutischen Möglichkeiten dazu geführt haben, dass heute auch Paare den Arzt aufsuchen, die früher wegen vermeintlicher "Hoffnungslosigkeit" gar keine medizinische Hilfe in Anspruch genommen haben.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn sich von selbst keine Schwangerschaft einstellt?

Von unerfülltem Kinderwunsch spricht man definitionsgemäß dann, wenn nach einem bis spätestens zwei Jahren regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eingetreten ist. Ein junges, gesundes Paar, ohne offensichtliche Hindernisse für das Eintreten einer Schwangerschaft, kann also durchaus erst einmal ein bis zwei Jahre auf die Schwangerschaft warten müssen, ohne dass von einer Sterilität ausgegangen werden muss. Man sollte immer berücksichtigen, dass auch unter optimalen Bedingungen die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit pro Zyklus mit maximal 30 Prozent angegeben wird.

In anderen Situationen ist es unter Umständen nicht sinnvoll, länger zu warten, bevor ein Arzt beziehungsweise ein Kinderwunschspezialist konsultiert wird. Stark unregelmäßige Zyklen beziehungsweise das völlige Ausbleiben von Regelblutungen, ohne dass eine Schwangerschaft vorliegt, können schwere hormonelle Probleme widerspiegeln, die das spontane Eintreten einer Schwangerschaft sehr unwahrscheinlich machen.

Größere Unterleibsoperationen der Frau in der Vergangenheit machen Verwachsungen wahrscheinlich, die ein Schwangerschaftshindernis sein können. Ungewöhnlich starke Periodenschmerzen können der Hinweis auf eine so genannte Endometriose sein, so dass sich in solchen Fällen auch schon vor Ablauf von zwei Jahren eine Abklärung durch eine Bauchspiegelung empfiehlt. Auch das Alter der Frau kann ein Anlass sein, den beratenden Arzt frühzeitig aufzusuchen. Beispielsweise sollte eine Frau im Alter von 38 Jahren, die erstmalig versucht, schwanger zu werden, nicht zu lange mit einer Abklärung möglicher Ursachen warten, da sich jenseits von 35 Jahren die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Schwangerschaft aus biologischen Gründen verringert.

Wann spricht man von Sterilität? An wen kann man sich wenden, wenn eine unklare Sterilität vorliegt?

Von Sterilität spricht man dann, wenn bei einem Paar mit Kinderwunsch bei regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr zu den fruchtbaren Tagen innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft eintritt. Hiervon zu unterscheiden ist die Infertilität, die dann besteht, wenn zwar Schwangerschaften eintreten, es aber nicht zur Geburt eines Kindes kommt. Wenn sich bei einem Paar unter den oben beschriebenen Bedingungen keine Schwangerschaft einstellt, sollten möglichst gleich beide Partner ärztlich untersucht werden, weil Männer und Frauen in gleicher Häufigkeit ursächlich für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich sind.

Die Frau sollte zunächst ihren Frauenarzt aufsuchen, der mit einem ausführlichen Gespräch und einfachen Untersuchungen zahlreiche Sterilitätsursachen abklären kann. Parallel dazu sollte der Mann ein Spermiogramm nach Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellen lassen. Dies ist bei uns oder auch bei ausgewählten Urologen möglich. Bei Auffälligkeiten sollte immer ein Urologe oder Androloge aufgesucht werden, um sich organisch untersuchen zu lassen.

Nimmt die Fruchtbarkeit der Frau schon nach dem 25. Lebensjahr ab?

Nimmt die Fruchtbarkeit der Frau schon nach dem 25. Lebensjahr ab  Die Fruchtbarkeit der Frau ist zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr am größten. Die Chance einer gesunden Frau, in diesem Alter schwanger zu werden, wird mit 30 Prozent pro Monat angegeben. Ein deutliches Nachlassen der Fruchtbarkeit findet ab dem 35. Lebensjahr statt. Eine ältere Frau mit Kinderwunsch sollte deshalb keine Zeit verlieren, bevor sie ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt. Die Abnahme der Fruchtbarkeit bei Frauen ist ein natürlicher Vorgang, da die Funktionsfähigkeit der Eierstöcke nachlässt und die Qualität der Eizellen abnimmt. Bei Männern spielt das Alter in Bezug auf die Fruchtbarkeit eine weniger große Rolle, auch wenn die Samenqualität ebenfalls mit zunehmendem Alter allgemein abnimmt.